Kreuzstadl in Rechnitz


Kreuzstadl in Rechnitz

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© ORF Burgenland, Sendung vom: 25.03.2021

 

Vor genau 76 Jahren sind beim Kreuzstadl in Rechnitz (Bezirk Oberwart) 180 jüdische Zwangsarbeiter aus Ungarn von den Nationalsozialisten ermordet worden. Es ist eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte des Burgenlandes. Das Massengrab wurde bis heute nicht gefunden.

Es war die Nacht vom 24. auf den 25. März 1945. Beim Kreuzstadl, einem landwirtschaftlichen Gebäude außerhalb von Rechnitz lagerten rund 180 jüdische Zwangsarbeiter aus Ungarn. Sie sollten beim Bau des Ostwalls eingesetzt werden, mit dem die Nazis die Rote Armee aufhalten wollten, waren aber zu schwach zum Arbeiten. Im Schloss von Rechnitz feierten in dieser Nacht Nazi-Funktionäre ein Fest. Zu später Stunde erschossen einige von ihnen die jüdischen Zwangsarbeiter. Nach dem Krieg kam es zu einem Volksgerichtsverfahren. Zwei der Täter wurden zu Haftstrafen verurteilt, die Hauptverantwortlichen flüchteten und wurden nie zur Verantwortung gezogen.

Mantel des Schweigens

In den 1980er Jahren begann die Suche nach dem Massengrab, bisher ohne Erfolg. Das infrage kommende Gelände ist sehr groß, die nach dem Krieg angefertigten Skizzen und Aufzeichnungen ungenau. Es gebe aber auch noch einen weiteren Grund, warum das Grab noch nicht gefunden ist, sagt Paul Gulda, Obmann der Rechnitzer Gedenk- und Flüchtlingsinitiative RE.F.U.G.I.U.S. :"Es gab ein Mitwissertum in Rechnitz und es gab – was wir nicht beweisen können, aber annehmen müssen, eine Verwicklung von damals vielleicht sehr jungen Rechnitzer Mitbürgern." Es habe eine Gruppe von Menschen gegeben, die nicht wollte, dass das Ganze aufkommt. Zu dieser Gruppe habe auch der ehemalige Gauleiter Tobias Portschy gehört, so Gulda.

Der Verein RE.F.U.G.I.U.S. organisiert alljährlich eine Gedenkveranstaltung beim Kreuzstadel und hat an Ort und Stelle auch eine museale Informationsstätte eingerichtet. Ein Thema, über das in Rechnitz lange geschwiegen wurde, wird nun aktiv aufgearbeitet.

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