Meilensteine auf dem Weg zum Burgenland



Meilensteine auf dem Weg zum Burgenland

Das Burgenland feiert heuer sein 100-Jahr-Jubiläum. 1921 sind die meisten Teile Deutschwestungarns zu Österreich gekommen – als Burgenland. Doch zwischen Wunsch zum Anschluss an Österreich und Wirklichkeit in Form eines eigenständigen Bundeslandes war es ein weiter Weg.

Die Geschichte des Burgenlandes begann am Ende des Ersten Weltkrieges. Österreich beanspruchte bei den Friedensverhandlungen Deutschwestungarn. Während in Saint Germain verhandelt wurde übernahm in Ungarn eine kommunistische Räteregierung die Macht – und wehrte sich gegen den Verlust des schmalen Landstrichs. „Je länger diese Phase gedauert hat und je länger die Landbevölkerung gewisse Zwangsmaßnahmen zu erleiden hatte, umso mehr wurde die Stimmung pro österreichisch“, so Historiker Michael Hess.

Im Friedensvertrag von Saint Germain in Paris wurde am 10.September 1919 das heutige Burgenland Österreich zugesprochen. Mit dem sogenannten Burgenlandgesetz am 25. Jänner 1921 wurde das Burgenland Teil Österreichs – auf dem Papier. „Es ist einfach drinnen gestanden, dass das Burgenland ein Bundesland Österreichs ist und somit war das auch gesetzlich verankert – und völkerrechtlich war es sowieso schon verankert im Friedensvertrag von Saint Germain und Trianon, dem ungarischen Friedensvertrag“, so der Historiker.

Ungarische Freischärler leisten Widerstand

Bei der Übernahme – der „Landnahme“ – durch österreichische Gendarmerieeinheiten am 28. August 1921 leisteten ungarische Freischärler erbitterten Widerstand. Die Gendarmerie zog sich am 30. August zurück. Am 1. September forderte Ungarn im Tausch gegen das Burgenland Ödenburg – die Alliierten lehnten ab.

Die Freischärler blieben – am 4. September 1921 drangen sie bis Kirchschlag in Niederösterreich vor – am 8. September kam es bei Agendorf/Agfalva zu einem Gefecht. Die Freischärler kamen, um zu bleiben und gründeten am 4. Oktober 1921 einen „Staat“ – das Leithabanat. Der Staat bestand dann ein Monat. Es habe dann ein eigenes Wappen, eigene Minister gegeben, die Briefmarken seien relativ bekannt – dann musste man sich – auch auf Druck des offiziellen Ungarns – zurückziehen, so Hess.

Umstrittene Abstimmung um Ödenburg

Die Entscheidung über das Burgenland fiel in in Venedig und endgültig. Das Burgenland blieb bei Österreich, das Bundesheer traf auf keine Gegenwehr – über das Schicksal Ödenburgs gab es eine umstrittene Volksabstimmung. „Es hat Malversationen gegeben, das ist fix und es steht auch fest. Die Forschung sagt aber, dass das Ergebnis so eindeutig war, dass es sich um ein paar Prozentpunkte verändert hätte, wenn es diese ganzen Tricksereien nicht gegeben hätte, aber es wäre auf jeden Fall pro ungarisch ausgegangen“, sagte der Historiker. Ödenburg ging verloren – das Burgenland blieb bei Österreich, die endgültigen Grenzen des neuen Bundeslandes standen erst 1923 fest.

©orf.burgenland.at

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